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Montag, 18.08.2014, 19:38

"Mein Weg zum Wohlfühlgewicht" von Peter Faulstich

ein wundervolle Hilfe auf dem Weg zu einer Vollwerternährung.
Verständlich geschrieben, nachvollziehbare Schilderungen, keine Diäten oder sonstige Blödheiten, wundervolle Rezepte..

lg
espresso


Samstag, 05.10.2013, 15:57

Der Verrat

Von Val McDermid
Droemer-Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-19969-5

Im Rahmen einer Lesechallenge bei Lovelybooks habe ich diesen Roman gewonnen und vom Droemer-Knaur-Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich schon sehr lange ein Fan der Autorin bin, die 2010 den Daimond Dagger für ihr Lebenswerk erhielt. Val McDermid gilt damit als Grande Dame der Krimiautorinnen und hat weltweit (ihre Romane erscheinen in mehr als 40 Sprachen) über zehn Millionen Bücher verkauft. Das cover springt den Krimileser auch sofort an. Die rote Lampe signalisiert sofort Gefahr. Ein sehr gelungenes Cover finde ich.
»Der Verrat« ist weder klassischer Ermittlerkrimi noch Actionthriller. Die Spannung entsteht hier durch die Beziehung der Figuren untereinander und deren Geheimnisse, Lügen und Intrigen, die nach und nach frei gelegt werden. Ich würde es als dramatischen Spannungsroman deklarieren.
Im Mittelpunkt der Story steht die Ghostwriterin Stephanie Harker. Gleich zu Beginn des Romans wird ihr Adoptivsohn Jimmy am Flughafen entführt, während die Protagonistin vom Sicherheitspersonal durchsucht wird, da sie eine Metallplatte und drei Schrauben im linken Bein hat und die Detektoren deshalb sofort Alarm schlagen. Stephanie schreit und in der Untersuchungskabine als sie sieht, wie ein Mann Jimmy wegführt. Doch anstatt ihr zuzuhören, setzen die Sicherheitsleute den Elektroschocker ein und nehmen Stephanie Harker in Gewahrsam. Nach und nach erfährt nicht nur die Special Agent Vivian McKuras vom FBI die ganze Vorgeschichte, sondern auch die Leser/innen. Stephanie Harker erzählt wie sie ihre Klientin, den Reality Tv Star Scarlett Higgins kennen gelernt hat, und sich wider aller Erwartungen mit ihr befreundet hat, während Stephanie ihre Biografie verfasst hat.
Als die Polizei die Überwachungsvideos vom Flughafen sichtet, glauben sie endlich, dass jemand Stephanies Adoptivsohn entführt hat. Ab sofort beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
»Der Verrat« ist ein spannender Roman, der beinahe ohne actiongeladener oder blutiger Szenen auskommt. Der Roman konzentriert sich vielmehr auf die Personen und deren Geschichten. Die Figuren sind plastisch gezeichnet und agieren meist glaubhaft und authentisch. Einzig die Hauptfigur fällt am Ende aus dem Rahmen und agiert völlig ›out-of-character‹. Das TV-Sternchen Scarlett Higgins ist eine Figur wie man sie überall im TV schon gesehen hat, eben ein typisches Sternchen, das sich aus der Gosse hochgearbeitet hat. Sie wirkt wie eine Mischung aus Verona Feldbusch und Katie Price. Man bekommt auch einen guten Einblick in die Welt der Möchtegernstars und den Menschen drumherum. So wird Scarlett Higgins auch gestalkt, sowie ständig von der Presse verfolgt.
Auch die Nebenfiguren werden gut beschrieben. Man kann sich in die Charaktere einfühlen. Jedoch fehlen Sympathieträger. Im ganzen Roman gibt es quasi nur zwei sympathische Personen, die als Identifikationsfiguren herhalten können: Stephanie und ihr Freund Nick, der für die Ermittlungen auch wichtig wird.
Der Schreibstil ist schwer zu kritisieren, da ich denke, dass die Übersetzung hier Val McDermids Original-Schreibstil nicht gerecht wird. Das Buch liest sich jedenfall flüssig und leicht. Die Dialoge wirken seltsam aufgesetzt, woran sicher wieder die deutsche Übersetzung schuld ist.
Die Atmosphäre im Roman ist eher düster. Eine Zeit lang, in der Mitte des Romans, schleppt sich die Handlung so dahin, Erzählungen wirken mitunter langatmig, vor allem da oft zu früh relevante Dinge verraten werden, was die Spannung nimmt. Auf hochspannende Momente wartet man hier vergeblich. Eine Straffung und Kürzung hätte diesem Buch wirklich gut getan, um brisanter und knackiger zu werden. Immer wieder zieht sich die Handlung wie ein alter Kaugummi. Denn wenn ich auf den ersten Seiten bereits erfahre, dass zwei Hauptpersonen tot sind, muss ich nicht die 200 Seiten lange Story dazu en detail erfahren.
Gegen Ende nimmt der Roman duch geschickt gesetzte überraschende Wendungen endlich wieder Fahrt auf, bis zum fulminanten und unvorhersehbarem Showdown, das ein bisschen dick aufgetragen wirkt.
Die Auflösung ist interessant, auch wenn sie die Leser/innen in mancher Hinsicht ratlos hinterlässt und viele Fragen offen bleiben. Das Finale birgt jede Menge Diskussionsstoff, auch in der Leserunde wurde lebhaft darüber diksutiert. Es ließ kein Auge trocken. Besonders die Mütter unter uns waren schockiert, wie weit Menschen nur des lieben Geldes zuliebe zu gehen bereit sind.
»Der Verrat« ist ein empfehlenswerter Krimi, der nachdenklich macht und uns zeigt in welch vertrakter Welt wir heutzutage leben, in der Geld, Ruhm und Macht mehr zählt als Freundschaft, Liebe und Familie.

(Eine Rezension von Jennifer B. Wind, Cover Droemer Knaur)


Sonntag, 01.09.2013, 19:00

Neumondnacht
Von Günter Neuwirth
Molden Verlag, 7. August 2013
ISBN: 978-3-85485-326-8
19,99 Euro

»Wo ein Messer einmal tief ins Fleisch geschnitten hat, tut die Berührung durch eine Feder weh.« (Christa Wolf)

Es vergeht kaum ein Jahr, an dem uns kein Lebensmittelskandal heimsucht: Genmais, Sägespäne im Joghurt, Glassplitter im Milchreis und zuletzt der sogenannte »Pferdefleischskandal« lassen die Konsumenten aufhorchen.

Parallel dazu entwickelt sich eine andere Bewegung. Immer mehr Menschen versuchen sich selbst zu versorgen (Urban-Gardening ist der neue Trend), kaufen ihre Ware direkt beim Hersteller oder achten auf Bioqualität. Die Verunsicherung der Verbraucher und die Wut auf große Lebensmittelkonzerne führen zu einem Umdenken in der Bevölkerung, nicht nur beim Kauf sondern auch beim Verbrauch (Restlküche boomt) und der Verarbeitung (so naturbelassen wie möglich).

Viele Menschen wollen ebenso das Tierleid verringern beziehungsweise verhindern. Der Trend geht zum vegetarischen Lebensstil. Vegane Restaurants, Saftbars, vegetarische Eigenmarken diverser Supermärkte sprießen aus dem Boden und sogar vegane Eiskreme ist keine Utopie mehr, sondern längst überall erhältlich. Doch nicht alle Menschen schaffen es, sich rein pflanzlich zu ernähren, doch immer öfter wird Fleisch eingespart.
Umweltschützer sind der Meinung, dass schon ein fleischloser Tag in der Woche viel zum Tier- und Umweltschutz beiträgt. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch belastet das Klima so stark wie eine 250 Kilometer lange Autofahrt. Akifumi Ogino vom Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft in Tsukuba und seine Kollegen hatten dazu die Rinderhaltung in Japan von der Geburt bis zur Schlachtung der Tiere untersucht. Demnach entstehen bei der Rinderhaltung, für ein Kilogramm Fleisch, Gase mit einer Treibhauswirkung, die der von etwa 36 Kilogramm Kohlendioxid entspricht.
Auch der Stallmist kann negativ zur Umweltbilanz beitragen, da er Boden und Wasser belastet. Darüber hinaus kostet die Fleischproduktion Energie, hauptsächlich für die Herstellung des Tierfutters. Die Umweltbelastung, die beim Transport des Fleisches entsteht, haben die Wissenschaftler dabei nicht berücksichtigt. Das heißt, die Umweltbilanz der gesamten Rindfleischproduktion - vom Acker bis auf den Teller - fällt noch schlechter aus, als die Studie zeigt.

Wem all diese Berechnungen nicht reichen, um zumindest teilweise fleischlos zu leben, der wird vielleicht nach der Lektüre des neuen Kriminalromans des Autors Günter Neuwirth umdenken, der genau in diese Kerbe schlägt. Der Autor ist bereits ein Geheimtipp für ökobewusste Krimileser und jene, die es werden wollen, da er stets solche Themen aufgreift und thematisiert. Er macht dies aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger sondern locker, spannend und humorvoll.

»Neumondnacht« ist der zweite Roman in dem Kriminalbeamtin Christina Kayserling vom Kriminalreferat Steyr ermittelt.
Diesmal wird ein Industrieller in seinem Lagerhaus von einem Regalbediengerät überrollt, es handelt sich um den Konzernleiter und Fleischbaron Herbert Felder. Was wie ein Unfall aussieht, wird zu einem außergewöhnlichen Kriminalfall in dem es an Abgründen und Verdächtigen nicht mangelt. Denn Herbert Felder hatte viele Feinde, da er die Konkurrenz austrickste und in üble Machenschaften und Geschäfte verwickelt war. Er verkaufte qualitativ schlechtes Fleisch als gute Ware und hetzte damit nicht nur Neider aus der Witrtschaft, sondern auch militante Tierschützer auf. Und auch privat war Herbert Felder alles andere als ein guter Mensch....

Günter Neuwirth legt hier einen Kriminalroman vor, der sich wohltuend von anderen Regionalkrimis abhebt. Der Krimi beginnt nicht mit dem Mord. Der Autor lässt sich Zeit die Figuren ins rechte Licht zu rücken, sie dem Leser nach und nach vorzustellen und zieht einen damit sofort in die Geschichte hinein. Noch bevor die erste Leiche präsentiert wird, ist man als Leser bereits mit den Personen und deren Handlungen verstrickt und kann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Der Autor hat es geschafft einen kurzweiligen packenden Krimi zu schreiben, der gleichzeitig sprachlich ausgefeilt ist. Die Dialoge sind wunderbar lebhaft und teilweise mit köstlichem Humor angereichert. Der Schreibstil ist treffend, prägnant, packend und rasant.

Die Protagonistin Christina Kayserling ist sympathisch gezeichnet und gibt eine gute Identifikationsfigur ab, auch ihr Partner bei diesem Fall, der Landpolizist Raimund Brandstätter ist ein netter Kerl.

Zusätzlich rückt in diesem Roman eine Nebenfigur in den Fokus: der Koch Albrecht Kammerhofer, der gemeinsam mit seiner liebevollen Familie den Lesern sicher ans Herz wachsen wird. Der Roman beginnt auch gleich mit einer Küchenszene, die die Figur des Kochs sehr eindrucksvoll darstellt.

Sämtliche andere Figuren sind gut charakterisiert, agieren authentisch und glaubhaft. Gut und Böse verschwimmt bisweilen ineinander und zeigt auf, dass nicht immer alles schwarz und weiß ist, sondern dass es viele Grausstufen dazwischen gibt.

Lokalkolorit ist zwar vorhanden, die Figuren sprechen allerdings nicht umgangssprachlich, wie in Lokalkrimis üblich. Dadurch hebt sich »Neumondnacht« deutlich von anderen Krimis, die in der österreichischen Provinz spielen ab, wenngleich diese sprachlichen Eigenheiten oft hilfreich sein können, um die Personen auseinander zu halten. In »Neumondnacht« sprechen alle Personen nach der Schrift, sogar die Bauern.

»Neumondnacht« besticht durch einen überaus raffinierten Plot, gut platzierte überraschende Wendungen, interessante Charaktere, einen kniffligen Kriminallfall und eine überraschende sowie faszinierende Auflösung.

Der Autor verwendet viele verschiedene Erzählperspektiven, grenzt diese allerdings kapitelweise (deshalb kommt der Roman auch auf 90 Kapitel) ab, so dass man dem Geschehen durchaus gut folgen kann. Die Geschichte spielt innerhalb eines Monats, gut ersichtlich durch zusätzliche Überschriften.

Der Molden Verlag hat sich für eine Hardcoverausgabe im Schutzumschlag entschieden, das dem niveauvollen Krimi angemessen ist. Das Cover ist minimalistisch gestaltet. Komplett schwarz, nur im oberen Drittel sind einige Wolken und eine zarten Mondsichel zu sehen.

»Neumondnacht« ist somit eine fesselnde, nachdenklich machende Lektüre, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Moldenverlag für diesen unterhaltsamen und kurzweiligen Leseabend.

(Eine Rezension von J.B. Wind, cover mit freundlicher Genehmigung des Molden Verlags)