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Montag, 14.11.2011, 15:39

Michaela Falkner
"Kaltschweißattacken"
Residenz Verlag, 2009 ISBN 978-3-7017-1509-1
...
»DIE HÖLLE DER MUTTERSCHAFT, DER TOD DER LIEBE: EIN REQUIEM FÜR EUPHORIE UND AUFGESCHLAGENE KNIE

In ein paar Jahren wird sie stark genug sein zurückzuschlagen.
Es ist Mittagszeit.
Mir scheint dies wäre der
richtige Zeitpunkt.
Vergiss eines nie mein Kind:
Ich bin es die dich nicht bei sich haben will.«

Beim Lesen des Klappentexts denkt man, einen literarischen Roman vor sich zu haben, aber so einfach ist es nicht.
95 Seiten würden gut zu einer Novelle passen, aber auch in diese Kategorie ist »Kaltschweißattacken« nicht einzuordnen.
Es ist weder Roman, noch Novelle, noch Gedicht, sondern ein Konstrukt aus 18 Teilen, die wiederum in Strophen eingeteilt sind und dennoch ist ihr Werk auch kein Sonnett.
Ich würde ihre Sprache als lyrische Prosa bezeichnen, wenn auch diese Beschreibung Falkner nicht gerecht wird. Sie setzt sich über sämtliche grammatikalischen Regeln hinweg, verschachtelt Sätze ineinander, ohne sich eines Kommas zu bedienen und wiederholt verbale Satzkonstrukte, um sie immer zu neuen Wortgeflechten zusammenzufügen.

Michaela Falkner erzählt nicht, sie lässt ihre Protagonistindenken, fühlen und handeln. Es ist ein Monolog einer depressiven und emotional unterkühlten Frau, in den Gesprächsfetzen eingestreut sind, von denen man nicht sofort weiß, wo sie hingehören. Wer spricht hier? Wer wird angesprochen?, fragt man sich zuweilen.

Klar ist: Die namenlose Protagonistin folgt ihrer großen Liebe Ivan. Es ist eine Liebe der Extreme. Ivan schlägt und erniedrigt sie. Sie, die unfähig ist für ihr Leben Eigenverantwortung zu übernehmen und gefangen in einer melancholisch-masochistischen Grundstimmung ist:
»Bleiben, muss man aushalten. Jenseits von Beherrschung gibt es keinerlei Einverständnis Zärtlichkeitsexzesse aufs Ärgste konstant geliebt werden zu wollen.«

Sie glaubt Ivan zu lieben, die Fähigkeit dazu ist ihr aber verloren gegangen. Wohin und warum erfährt man nicht.
Sie wird dreimal ungewollt von Ivan schwanger, versucht die Kinder, allesamt Mädchen, »auszuhungern« und »wegzumachen«.
Warum sie keine Vorkehrungen trifft, um nicht wieder schwanger zu werden, begreife ich als Leserin nicht.

Bereits nach der ersten Geburt fällt sie in tiefe Depressionen.

»Ich mochte dieses Kind von Anfang an nicht.
Ich fühle überhaupt nichts seit es da ist.
Ich will es keinesfalls sehen.«

Später vernachlässigt sie die Mädchen, hasst die Kinder dafür, Ivan nicht mehr für sich zu haben und kämpft mit dem unbändigen Wunsch, sie mögen einfach verschwinden...


»Kaltschweißattacken« ist ein Buch für anspruchvolle Leser, die gerne experimentelle Literatur kennen und lieben lernen wollen. Wenn man einmal angefangen hat die Sprache zu verstehen, entwickelt der »Roman« eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Ich habe das Werk in einem Zug gelesen, war gefangen und erstaunt über die Wortgewalt.

»Kaltschweißattacken« rüttelt wach, rührt zu Tränen, erzeugt Ekelgefühle, beschert Gänsehaut und führt zu einem emotionalen Ausnahmezustand, der nicht immer positiver Natur ist.
Nur eines macht das schmale Bändchen nicht: Es lässt den Leser auf keinen Fall unberührt.

Fazit: Sehr lesenswerte Literatur für Kenner, Liebhaber und alle Leute, die dem Blockbuster-Einheitsbrei entfliehen wollen.

Ich würde das Werk allerdings mit einem Stempel versehen: »Für zartbesaitete Gemüter und werdende oder frisch gebackene Mütter mit Vorsicht zu genießen.« ;-)


Dienstag, 08.11.2011, 10:49

Das sagt der Verlag:
"Badischer Wein wird von der Sonne verwöhnt. Das ist bekannt, heißt aber nicht, dass er jedem gut bekommt.

Ob mörderische Hanglagen, perfides Gift, übereifrige Kritiker oder Leichen im Keller: Begeben Sie sich mit 22 bekannten Autorinnen und Autoren auf eine ganz spezielle Weinreise durch Baden. Genießen Sie diese Reise mit allen Sinnen, aber passen Sie spätestens beim nächsten Viertele gut auf sich auf, denn Mord ist eine ernste Sache. Eine todernste!

Badische Weinkrimis - Ein Lesegenuss, kraftvoll, fruchtig, herb – und rabenschwarz im Abgang!"


Das sage ich:
dem obigen kann ich nur 100% zustimmen. eine herrliche zusammenstellung an herbstlichen krimis, wunderbarst genossen, während man auf der couch eingekuschelt sitzt, bei einem glasel wein, ein paar pralinchen, getragen vom duft des schweren, burgundischen rotweins. häppchenweise oder am stück, es fällt jedenfalls schwer, das buch aus der hand zu legen ;-)



besonders hervorheben möchte ich die vorletzte geschichte "küchentaufe" von jennifer b. wind, die derzeit große erfolge als autorin feiert. sie gewinnt wettbewerbe und bringt ihre leserschaft so zum mitfühlen, dass sogar tränen fließen...

jenny wind ist eine unserer bloggerinnen der ersten stunde, daher freue ich mich f sie ganz besonders, dass sie den weg vom "ich-liebe-schreiben" hin zu "ich-liebe-schreiben-und-kann-damit-geld-verdienen" gemacht hat bzw gerade mitten drauf ist.



Burgunder-Leichen
Anne Grießer (Hrsg.)
Verlag Wellhöfer
http://wellhoefer-verlag.de/?Krimis/Burgunder-Leichen
ISBN: 978-3-939540-76-2
256 Seiten
Euro 12,80



herzlichst,
eure jackie


ps.: "burgunder leichen" ist teil des gewinnes, der an unsere hauptgewinnerinnen der aktion "pimp my blog" geht. in diesem sinne bitte ich nochmals um adress-zusendung, wäre doch sonst ewig schad um den gewinn!!!


Dienstag, 11.10.2011, 10:44

Bericht aus einer chinesischen Familie
Adeline Yen Mah - Fallende Blätter


Die chinesische Ärztin Adeline Yen Mah mußte sechzig Jahre alt werden, bis sie in der Lage war, die traurige Geschichte ihrer Kindheit aufzuschreiben.

Geboren wurde sie 1937 in Tientsin als viertes Kind einer wohlhabenden Industriellen- Familie. Zwei Wochen nach ihrer Geburt starb ihre Mutter mit erst dreißig Jahren im Kindbett. Diesen Verlust hat Adelines Vater nur schwer verwunden und während ihrer ganzen Kindheit hat er ihr immer die Schuld am Tod der Mutter angelastet.

Wären da nicht ihre fürsorgliche Tante Baba und die Großeltern gewesen, Adeline hätte eine freudlose Kindheit gehabt. Denn schon bald verheiratet sich der Vater wieder. Die neue, außerordentlich schöne eurasische Stiefmutter, Jeanne, ist gerade siebzehn Jahre alt und findet großen Gefallen an der wohlhabenden Welt aus Immobilien, Kapitalanlagen und Beteiligungen an gut gehenden Geschäften, die Adelines Vater ihr bietet.

Allerdings lehnt sie die vier Kinder aus erster Ehe ab. Am liebsten ist es ihr, wenn sie bei Besuchen von Freunden überhaupt nicht in Erscheinung treten und sich in ihren Zimmern aufhalten. Wobei es die älteste Schwester Lydia und die drei Brüder nicht so schwer mit Jeanne haben. Sie arrangieren sich bald und unterwerfen sich ihrer Macht. Nicht so Adeline - sie wird zur ungeliebten Tochter. Sie haßt es um das wöchentliche Fahrgeld für die Straßenbahn zu bitten, lieber geht sie jahrelang zu Fuß. Ihre ganze Kraft und ihren ungebremsten Ehrgeiz verlagert sie auf ihre Arbeit in der Schule. Doch die erhoffte Anerkennung erhält sie nur von ihrer Tante Baba. Sie unterstützt das kleine Mädchen, denn sie sieht in weiser Voraussicht, dass ihre Chancen, aus der strengen und lieblosen Familie loszukommen einzig in einer guten Ausbildung liegen.

Die politischen Zeiten werden unsicher und vor Maos Truppen flieht Adelines Vater nach Hongkong und mehrt dort weiter sein Vermögen. Die Söhne schickt er selbstverständlich nach England, damit sie eine exzellente Ausbildung erhalten. Adeline muss als Mädchen um diese Chance hart kämpfen, doch selbst als sie bereits Assistenzärztin ist, kommt sie nicht davon los, um Liebe und Anerkennung ihrer Eltern zu haschen. Immer wieder paßt sie sich ihren Vorstellungen an.

Vor dem Hintergrund der wechselvollen chinesischen Geschichte der letzten hundert Jahre schildert Adeline Yen Mah eine verzweigte, begüterte Familie, die von einer mächtigen und intriganten Frau beherrscht wird, die ihren durchdringenden Einfluß bis zu ihrem Tod in allen Lebensbereichen geltend macht - auch wenn sie dabei das Leben der Kinder zerstört.

Gelesen und für sehr gut befunden ... espresso


Quelle: http://www.bookinist.de
layout © Thomas Haselberger